Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung
Das Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG) wurde mit dem Ziel gegründet, mit den Mitteln von Forschung und Lehre eine bessere Gesundheitsversorgung von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund zu ermöglichen. Die zunehmende Globalisierung und das Entstehen multikultureller Gesellschaften erfordern es hierbei verstärkt, kulturelle Aspekte in die medizinische, psychotherapeutische und soziale Versorgung einzubeziehen. Zielgruppe sind insbesondere Migrant*innen und Geflüchtete, bei deren psychosozialer Betreuung kulturelle Aspekte im besonderen Maße zu berücksichtigen sind.
Vor diesem Hintergrund untersucht das ITG die kulturelle Prägung unterschiedlicher Gesundheitskonzepte und Kernbegriffe wie „Gesundheit“, „Krankheit“, „Heilung“, das diesen Prägungen zugrundeliegende Menschenbild sowie die Konsequenzen für die gesundheitliche Versorgung. Darüber hinaus entwickeln wir kultursensible Interventionsangebote und führen Weiterbildungen mit entsprechendem Themenbezug für Fachkräfte in Gesundheitsberufen durch.
Aktuelles
Notfallpsychologie – Vorsorge bei psychosozialer Unterstützung in der Türkei
Im November 2025 fand in Dêrsim (Tunceli) eine unserer fünftägigen Fachschulungen zur Notfallpsychologie und psychosozialen Versorgung für Erdbebenregionen in der Türkei statt.
Die Schulung ist Teil unseres durch das Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts zum Aufbau nachhaltiger psychosozialer Strukturen in der Türkei. Ziel ist es, lokale Fachkräfte so zu qualifizieren, dass sie im Katastrophenfall handlungsfähig sind und langfristig regionale Netzwerke zur Unterstützung Betroffener entstehen können.
Die Maßnahme knüpft an erfolgreiche Schulungen in Adiyaman, Hatay und Malatya an, in denen seit 2024 regionale Kapazitäten aufgebaut wurden. Vom 10.–14. November 2025 wurde dieser Ansatz in Dêrsim fortgeführt. Die Schulung richtete sich an Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen sowie Fachpersonen der Kinder- und Jugendhilfe und kombinierte wissenschaftlich fundierte Methoden mit traumasensibler Praxis. Ziel war es, Fachpersonen sowohl für die akute psychologische Unterstützung nach Katastrophen als auch für eine präventive, langfristig orientierte Traumabewältigung zu befähigen. Damit sollte nicht nur auf bestehende Belastungen reagiert, sondern die Grundlage für gestärkte und resilientere Gemeinschaften geschaffen werden.
Die Durchführung der Schulung in Dêrsim hatte eine besondere Bedeutung. Aufgrund historisch gewachsener sozioökonomischer und infrastruktureller Herausforderungen stehen in der Region bislang nur wenige spezialisierte psychosoziale Weiterbildungsangebote zur Verfügung. Entsprechend groß war der Bedarf an einer Schulung, die direkt vor Ort stattfindet und lokale Fachkräfte stärkt. Viele Teilnehmende betonten die Relevanz eines Ansatzes, der nicht nur individuelle Symptome, sondern auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen psychischer Belastung berücksichtigt.
Entsprechend wurde die Entscheidung, eine mehrtägige Fachschulung erstmals in Dêrsim durchzuführen, von den Teilnehmenden außerordentlich positiv aufgenommen. Fortbildungen dieser Art finden bislang überwiegend in größeren Städten statt. Die lokale Durchführung ermöglichte es Fachpersonen, ohne lange Anreise und zusätzliche Kosten Zugang zu hochwertiger Qualifizierung zu erhalten, ein Aspekt, der vielfach als Anerkennung ihres Engagements gewürdigt wurde. Mehrere Teilnehmende betonten, dass es selten sei, dass solche hochwertigen Schulungen nach Dêrsim kommen und erlebten die Veranstaltung als sichtbare Wertschätzung und Stärkung der Region.
Mit der Schulung in Dêrsim wurde ein weiterer wichtiger regionaler Schwerpunkt gesetzt. Die nächste Fortbildung im Rahmen des Projekts findet bereits vom 15.–19. Dezember 2025 in Van statt. Damit setzt die Schulungsreihe in Regionen fort, in denen der Bedarf an psychosozialer Unterstützung besonders hoch ist fortgeführt, um lokale Fachkräfte systematisch zu stärken und ein landesweites Netzwerk psychosozialer Unterstützung weiter auszubauen.
Nachfolgend können Sie türkische Nachrichtenberichte über die Veranstaltung finden.