Laufende Projekte des Instituts für Transkulturelle Gesundheitsforschung

Im März 2017 nahm das Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie (IPP) in Duhok/Nordirak seine Arbeit auf. Bis Ende 2024 sollen alle Aktivitäten und Aufgaben des IPP, insbesondere Aufbau und Fortführung des Masterstudiengangs und der Psychotherapeutenausbildung, nach und nach von der Universität Duhok selbst übernommen werden.

Parallel hierzu erfolgt eine wissenschaftliche Evaluation des Gesamtprojektes und eine Dokumentation der Erkenntnisse in Form eines Handbuchs. Dafür werden alle Prozessabläufe des Pilotprojekts festgehalten und die Beteiligten zu ihren Erfahrungen befragt. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu dienen, die Qualität der Ausbildung am IPP zu verbessern und zur nachhaltigen Planung der Lehre und Forschung beizutragen. Ein weiteres Ziel ist es, die Prozesse des Pilotprojekts transparent zu gestalten und somit als Best-Practice-Beispiel weiteren Hochschulen im Irak und in anderen (einstigen) Konfliktregionen zu dienen.

Das Evaluationsprojekt wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg gefördert.

Seelische Verletzungen von Überlebenden von Verbrechen gegen die Menschlichkeit können nach Annahmen von Experten frühestens dann geheilt werden, wenn den Betroffenen Gerechtigkeit widerfährt. Zwar ist es Aufgabe der Justiz, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und entsprechende Mittel zur Wiedergutmachung auszuheben: Doch selbst wenn dies der Fall, ist es nicht sicher, dass die psychische Situation der Betroffenen dadurch im ausreichenden Maß verändert werden kann. Um Überlebende in ihrem Heilungsprozess zu unterstützen, gilt es deshalb auch, die psychologischen Konsequenzen von Ungerechtigkeitserfahrungen zu betrachten und zu behandeln.

Ziel unserer Studie ist es, psychologische und emotionale Strategien im Umgang mit schweren Ungerechtigkeitserfahrungen zu erfassen und Zusammenhänge zwischen einem verletzen Gerechtigkeitsgefühl und anderen psychologischen und psychosozialen Folgen von Gewalterfahrungen zu untersuchen.

Dafür arbeiten wir an der Entwicklung eines Inventars zur Erhebung der Ungerechtigkeitswahrnehmung bei traumatisierten Personen. Das Inventar entsteht in Zusammenarbeit mit Experten auf dem Feld der Gerechtigkeit und auf Grundlage von Fokusgruppen mit Überlebenden verschiedener Ungerechtigkeitserfahrungen in Krisenregionen dieser Welt. Für die Überprüfung der Validität und Reliabilität des Inventars sind Untersuchungen mit Überlebenden des Genozids in den Herkunftsländern und Geflüchteten in Deutschland geplant.

Anknüpfend an das im Institut für transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG) entstandene Traumaworkbook (Kizilhan et al. 2019) wollen wir in einem zweiten Schritt unsere Erkenntnisse in die Traumatherapie von Überlebenden von Unterdrückung, Verfolgung und Gewalt aus Kriegs- und Krisenregionen integrieren. In Planung sind dafür Moduleinheiten, die den Umgang mit Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit fokussieren. Diese sollen später in die psychotherapeutische und psychosoziale Arbeit implementiert werden. Ihre Wirksamkeit wird im Vergleich zu bestehenden Behandlungskonzepten in der Praxis untersucht.

 

Ansprechperson

Wissenschaftlicher Leiter Master Transkulturelle Traumapädagogik

Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG)

 

+49 (0)711.1849-4740
jan.kizilhannoSpam@dhbw.de

Jägerstraße 56, 70174 Stuttgart, Germany

Jan Ilhan Kizilhan