Von der Forschung zur Praxis: Entwicklung des STEP-Curriculums
Das STEP-Projekt hat einen wichtigen Meilenstein bei der Entwicklung eines Curriculums für die Fortbildung von Hochschulpersonal in traumainformierten Ansätzen erreicht.
Es wurde nun ein umfassender Curriculumsentwurf erarbeitet, der Forschungsergebnisse, Erkenntnisse aus dem STEP-Projekt und pädagogische Ansätze vereint, die darauf abzielen, das Wissen und die praktischen Kompetenzen von Lehrenden im Bereich des traumainformierten Unterrichts zu stärken.
Der Entwicklungsprozess orientierte sich sowohl an bestehender Forschung als auch an empirischen Erkenntnissen, die im Rahmen des STEP-Projekts gesammelt wurden. Mithilfe von Interviews, einer Umfrage unter Lehrenden und einer Umfrage unter Studierenden an fünf europäischen Partnerhochschulen untersuchte das Projekt Erfahrungen, Bedürfnisse und Herausforderungen im Zusammenhang mit traumainformiertem Unterricht in verschiedenen Hochschulkonttexten. Diese Erkenntnisse spielten eine zentrale Rolle bei der Identifizierung relevanter Schulungsthemen und der Gestaltung der pädagogischen Struktur des Lehrplans.
Ein zentraler Aspekt während des gesamten Entwicklungsprozesses war es, sicherzustellen, dass der Lehrplan über die Vermittlung theoretischen Wissens über Traumata hinausgeht. Stattdessen zielt er darauf ab, Lehrende dabei zu unterstützen, traumabedingte Herausforderungen zu verstehen, ihre eigenen Lehransätze zu reflektieren und praktische Kompetenzen zu entwickeln, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden einzugehen.
Drei Module nach einem progressiven Ansatz
Der Lehrplan gliederte sich in drei miteinander verbundene Module:
- Modul 1: Grundlagen des Traumas und seine Relevanz im Hochschulbereich
- Modul 2: Traumainformierter Unterricht: Grundsätze, Reflexion und Selbstfürsorge
- Modul 3: Umsetzung traumainformierter Ansätze
Die Module folgen einem progressiven pädagogischen Konzept. Ausgehend von grundlegenden Kenntnissen über Trauma und dessen Bedeutung im Hochschulbereich führt der Lehrplan zum Verständnis der Grundsätze traumainformierten Unterrichts, zur Reflexion über deren Auswirkungen und zur Planung ihrer Umsetzung. Das abschließende Modul konzentriert sich auf die Anwendung dieser Prinzipien in konkreten Unterrichtssituationen. Diese Struktur spiegelt ein zentrales pädagogisches Ziel des Lehrplans wider: Wissen mit Reflexion, Planung und praktischer Anwendung zu verknüpfen, damit Lehrende darüber nachdenken können, wie traumainformierte Ansätze in ihre berufliche Praxis integriert werden können.
Umsetzung traumainformierter Prinzipien in die Unterrichtspraxis
Ein wichtiger Teil des Lehrplanentwicklungsprozesses war die Identifizierung praktischer Bereiche, in denen traumainformierte Prinzipien angewendet werden können, um von Traumata betroffene Studierende im Hochschulbereich zu unterstützen:
- Förderung der Sicherheit in Lernumgebungen
- Bereitstellung flexibler und bedarfsgerechter Lernangebote
- Aufbau einer Gemeinschaft und Vermittlung von Unterstützung an Studierende
- Umgang mit sensiblen Inhalten und Reaktion auf die Notlage von Studierenden
- Verankerung traumainformierter Praktiken auf institutioneller Ebene
Diese Bereiche bilden einen zentralen Bestandteil von Modul 3 und setzen traumainformierte Prinzipien in praktische Ausbildungsinhalte um. Besonderes Augenmerk wurde auf die Entwicklung von Inhalten gelegt, die Lehrende mit ihren eigenen Unterrichtserfahrungen in Verbindung bringen können. Anhand praktischer Beispiele und Reflexionsaufgaben zielt der Lehrplan darauf ab, die Teilnehmenden dazu anzuregen, darüber nachzudenken, wie diese Ansätze in verschiedenen pädagogischen Situationen angewendet werden können, und dabei gleichzeitig ihre beruflichen Rollen und Grenzen zu erkennen.
Zielgruppe und Lernformat
Der Lehrplan richtet sich in erster Linie an Lehrende im Hochschulbereich, berücksichtigt aber auch andere Hochschulmitarbeiter, die regelmäßig mit Studierenden interagieren. Die Inhalte sind so konzipiert, dass sie für verschiedene akademische Disziplinen relevant und an unterschiedliche institutionelle und nationale Kontexte anpassbar sind.
Gemäß dem aktuellen Entwurf umfasst der Lehrplan 3,65 ECTS-Punkte, was einem Gesamtarbeitsaufwand von etwa 91,25 Stunden entspricht.
Vorgeschlagen wurde ein Blended-Learning-Format, das Präsenzunterricht mit Phasen des selbstständigen Lernens kombiniert. Ein wesentlicher Teil des Arbeitsaufwands ist dem selbstständigen Lernen, der Selbstreflexion und fallbasierten Aktivitäten gewidmet. Dieser Ansatz soll den Teilnehmenden die Möglichkeit bieten, sich in ihrem eigenen Tempo mit den Schulungsinhalten auseinanderzusetzen und das erworbene Wissen mit ihren individuellen beruflichen Erfahrungen zu verknüpfen.
Nächste Schritte: Partnerworkshop und Erprobung des Lehrplans
Nachdem der Entwurf des Lehrplans nun vorliegt, wird sich die nächste Phase darauf konzentrieren, dessen Inhalte zu überprüfen, seine Anwendbarkeit in verschiedenen Hochschulkontxten zu untersuchen und Möglichkeiten für weitere Verbesserungen zu ermitteln.
Ein wichtiger Schritt in diesem Prozess wird der bevorstehende STEP-Partnerworkshop am 30. November und 1. Dezember 2026 sein, der an der ITG–DHBW stattfindet.
Während des Workshops werden die Projektpartner gemeinsam die Inhalte und die pädagogische Struktur des Lehrplans erörtern, über länderspezifische Bedürfnisse reflektieren und überlegen, wie die Schulung an unterschiedliche Bildungs- und institutionelle Rahmenbedingungen angepasst werden kann.
Der Workshop umfasst zudem erste Tests ausgewählter Lehrplanaktivitäten, wodurch die Partner erste praktische Erfahrungen mit den vorgeschlagenen Lernaktivitäten und -ansätzen sammeln können. Diese Diskussionen werden dazu beitragen, potenzielle Lücken, notwendige Anpassungen und weitere Möglichkeiten zur Stärkung des Lehrplans zu identifizieren.
Durch die Zusammenführung von Forschungsergebnissen, Projektergebnissen und Rückmeldungen der teilnehmenden Partner zielt STEP darauf ab, ein Ausbildungsprogramm weiterzuentwickeln, das sowohl pädagogisch fundiert ist als auch den Realitäten der Hochschulbildung in verschiedenen europäischen Kontexten gerecht wird.